Jahrestagung der Gesellschaft für Neue Phänomenologie e.V. in Rostock
Vom 15. bis 17. Mai 2009 fand an der Hochschule für Musik und Theater Rostock das jährliche Symposion der Gesellschaft für Neue Phänomenologie statt. Da es das erste Treffen seit meiner Mitgliedschaft im letzten Jahr ist, bin ich ganz entschlossen hingefahren um hier meine Interesse auch leiblich zu bekunden.
Es hat sich vollends gelohnt. Nicht nur das man direkt mit Prof. Hermann Schmitz in Kontakt gekommen ist, auch hat er sich wirklich Zeit für Fragen genommen und bewiesen, wie lebendig und wach man auch im Alter von 81 Jahren noch sein kann. Seine geistige Präsenz und Klarheit in der Formulierung sowie im Inhalt hat mich bei allen interessanten Vorträgen doch wirklich am meisten beeindruckt.
Anbei das Tagungsthema mit Erläuterung:
Grenzen des konstruierenden Denkens. Phänomenologie als Grundlage einer Kulturkritik
Zerlegen und Zusammensetzen sind die Elemente jedes Machens. Das konstruierende Denken ist darauf aus, möglichst viel zu zerlegen, um es in anderer Form wieder zusammensetzen zu können, sowohl in gedanklicher Arbeit als auch im technischen Herstellen. Das zugehörige Weltbild stellt die Welt als riesiges Netzwerk dar, dessen Knoten einzelne Sachen sind, die durch Beziehungen verknüpft sind. Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung folgt die Technik diesem Leitbild. Diese Konzeption entspringt der Idee, dass alles ganz von selbst einzeln ist, ein Baustein, der beliebig versetzt werden kann. Man denkt nicht daran, dass dazu ein Zerlegen gehört und jede Einteilung eine Hinsicht verlangt, in der etwas als etwas angesprochen wird. Und wo kommen die Hinsichten her? Dazu hat die Neue Phänomenologie einiges zu sagen. Vor allem, dass Einzelheit für Hinsichten Bedeutungen voraussetzt und diese aus bedeutsamen Situationen, die durch Vernetzungen nie aufgezehrt werden können, entbunden werden müssen.
In der Kultur von heute zerfällt das Leben in eine Angebotsseite und eine Nachfrageseite. Auf der Angebotsseite stehen riesige Netzwerke, die das konstruierende Denken bereitstellt, wie das Internet. Auf der Nachfrageseite stehen sich selbst überlassene Individuen mit einem Chaos von Wünschen, die nichts zu bieten haben als das Wählen der Verstrickung in dieses oder jenes Netz. Das Nachdenken über Grenzen des konstruierenden Denkens an den Voraussetzungen des Einzeln-sein-könnens kann dieser Krise der Kultur begegnen.
MP3-Downloads der Aufnahmen:
- Werkstattgespräch mit Prof. Schmitz als MP3-Download! (15 MB)
- Podiumsdiskussion u.a. mit Prof. Schmitz als MP3-Download! (15 MB)
- Eröffnung der Tagung (Prof. Wendel), Einführung in das Tagungsthema (Dr. Werhan), Vortrag von Prof. Schmitz: "Von der Verhüllung zur Verstrickung. Der Mensch zwischen Situationen und Konstellationen" als MP3-Download! (11 MB)