Dingphilosophie

Die Dingphilosophie richtet sich nach dem Festkörpermodell. Damit ist gemeint, dass man sich die Welt so vorstellt, als ob sich darin lauter feste körperliche Dinge befinden, also Gegenstände die man - wie einen Stuhl oder auch den eigenen Körper - sehen und anfassen kann. Das Sehen und Tasten ist für das Erfassen der Dinge also sehr wichtig, und daher wird auch alles, was man nicht direkt oder mit technischen Hilfsmitteln wie dem Mikroskop sehen und abtasten kann, aus dieser Dingwelt in eine Art Abstellraum verbannt. In diesem Abstellraum werden alle unklaren Gefühle und Wahrnehmungen abgeschoben, und am Ende wird die Seele zum Herr dieses Abstellraumes erklärt, aus dem ein eigenes Haus geworden ist.

Es gibt in dieser dingphilosophischen Auffassung also neben der Außenwelt der Dingwelt auch eine Innenwelt der Gefühle und die Trennung zwischen diesen beiden Welt kann man sich als eine Art Schleuse vorstellen. So können nur bestimmte Informationen von der Außenwelt der Dinge in die Innenwelt der Gefühle eintreten, wie z.B. Nervenreizungen oder andere Sinnesempfindungen. Diese Schleuse ist aber so fundamental, dass zwischen dieser Außenwelt und der Innenwelt keine reale Verbindung oder sogar Überschneidung möglich wäre.

Einer der ersten Philosophen, die diese Dingphilosophie entworfen haben, war Platon. Er setzte sich gegen viele Philosophen vor ihm durch, in dem er z.B. so ein Gefühl wie Hunger ganz klar in zwei Komponenten einteilte, die dinghafte, also körperliche und in die psychische. Dazwischen gibt es aber nichts, so dass die Einheit des eigentlichen Hungergefühls vollkommen verloren ging. Die dingphilosophsche Position von Platon kam aber so gut an, dass sich die meisten Philosophen und sogar Religionen seit Platon dieser Auffassung angeschlossen und sogar noch verstärkt haben. So hat auch der französische Philosoph Descartes im 17. Jahrhundert, also über 2000 Jahre nach Platon, diese Position sogar noch verstärkt und den Unterschied zwischen der dinghaften Außenwelt und der psychischen Innenwelt weiter bekräftigt. Diese Spaltung zwischen einer Ding- und Bewußtseinswelt ist so fundamental für uns Europäer, dass sie auch heute noch in den meisten gegenwärtigen Philosophien und Theorien zu finden sind. Man muss sich nur einmal das Wort der "Psycho-somatik" auf der Zunge zergehen lassen, da stellt man fest, dass man zwar nach Brücken zwischen diesen beiden Welten sucht, sich aber an der primären Unterscheidung beider Welten prinzipiell nichts geändert hat.